Workshop 2019

Von: Christian Seiler | erstellt am: 06.02.2019

Rückblick Workshop 2019

TAG Workshop „Handeln statt Behaupten“ vom 11. bis 13. Januar 2019 in Zürich

Bericht des Weiterbildungsverantwortlichen Christian Seiler

Es hat mich gefreut, dem TAG diesen Workshop anbieten und Klaus Riedel bei uns begrüssen zu dürfen. Für mich hat sich bestätigt, dass Klaus der vielleicht kompetenteste Theaterpädagoge für postdramatische wie performative Theaterarbeit mit Schülerinnen und Schülern im deutschsprachigen Raum ist. Im bewussten Gegensatz zu anderen Workshops mit körperlich-praktischem Schwergewicht stand diesmal der dramaturgische Prozess im Zentrum. Hier bot sich auch die Gelegenheit, das hohe intellektuell-reflektorische Diskursniveau zu erfahren, mit der (Schul-)Theater in Deutschland generell verhandelt wird. Gelassen, anschaulich und mit souveränem Timing hat Klaus in den wenigen zur Verfügung stehenden Stunden essentielle Impulse für eine Projektarbeit in den genannten Richtungen vermittelt, im Wechsel von Theorie und praktischen Übungen. Natürlich waren dies, wie eigentlich stets, nur elementare Grundbausteine eines möglichen Prozesses, der von den Teilnehmenden dann in eigenkreativer Verantwortung im Kontext der jeweiligen Theatergruppe weiterzuentwickeln ist. Zu meiner Freude gehörte auch die hochmotivierte und menschlich ausgesprochen angenehme Gruppe, die sich schliesslich – mit, abgesehen von mir, immerhin 14 Teilnehmenden – eingefunden hatte. Hier einige Echos der Mitwirkenden, die in ihren zum Teil kontroversen Aussagen zu diskutieren spannend wäre!

Grazie Christian, per la bella opportunità che ci hai organizzato. Nonostante le mie difficoltà linguistiche è stato un fine settimana molto proficuo e stimolante.

(Danke Christian, für die schöne Gelegenheit, die du für uns organisiert hast. Trotz meiner Sprachschwierigkeiten war es ein sehr erfolgreiches und anregendes Wochenende.)

Carlo Pontinelli

Ho trovato il corso particolarmente interessante ed efficace. Klaus Riedel ha saputo presentare in maniera chiara il suo modo di lavorare con gli allievi fornendo spunti di riflessione ed esempi pratici. Le proposte di Klaus e l’incontro con gli altri partecipanti al corso mi hanno riempito la mente di nuove idee e mi hanno dato tanta energia positiva per il lavoro con i miei allievi.

(Ich fand den Kurs besonders interessant und effizient. Klaus Riedel konnte seine Arbeitsweise mit den Studenten anhand von Denkanstößen und Praxisbeispielen anschaulich darstellen. Klaus' Vorschläge und das Treffen mit den anderen Kursteilnehmern füllten meinen Geist mit neuen Ideen und gaben mir viel positive Energie für die Arbeit mit meinen Studenten.)

Amanda Ostinelli

Die Kursleitung von Klaus Riedel hat mich sehr angesprochen. Er hat durch seine praktische Kompetenz überzeugt, es ist ihm gelungen, die Möglichkeiten eines postdramatischen Ansatzes auch für das Schultheater aufzuzeigen. Die Übungen waren sinnvoll, die Mischung von theoretischen Überlegungen und Praxis war sehr gut. Die Arbeit in den Gruppen hat Spass gemacht, die Resultate waren oft witzig und erhellend. Es ist ihm gelungen, auch Skeptiker gegenüber diesem Ansatz (z.B. mich) abzuholen und zu gewinnen. Ein bereichernder Kurs.

Klaus Opilik

Der Workshop war sehr anregend und wirkt nachhaltig! Klaus Riedel hat es verstanden, uns in der doch sehr kurzen Zeit das Prinzip des Postdramatischen Theaters sehr anschaulich und verständlich, nicht nur theoretisch sondern auch praktisch zu vermitteln. Diese Weiterbildung weckt in mir die grosse Lust, diese Art von Theaterarbeit selber im Theaterunterricht auszuprobieren, denn diese Methode erscheint mir gerade für die Arbeit mit Jugendlichen äusserst sinnvoll, da sie an die Authentizität und Empathie der Spielenden appelliert und auf spielerische Weise komplexe Stoffe den Jugendlichen zugänglich gemacht werden können, so dass sie einen persönlichen Bezug von der eigenen Biographie zur Geschichte knüpfen können. Klassiker können auf diese Weise zu brandaktuellen Stücken werden!

Barbara Bucher

Klaus Riedel hat es verstanden aufzuzeigen, wie Jugendlichen (und mir selber) ein ‘niederschwelliger’ Zugang zu anspruchsvoller Literatur bereitet werden kann.

Sehr hilfreich sind die verschiedenen Zugänge, mit welchen Verbindungen geschaffen werden können zwischen einer Theater AG und der literarischen Vorlage. Insbesondere die Methode, mit welcher die individuell unterschiedlichen Interessen der SchauspielerInnen an der Textvorlage plastisch aufgezeigt werden können, nehme ich sehr gern in meinen ‘Werkzeugkasten’ auf.

Matthias Werder

Es war im Vergleich zu anderen Kursen eine etwas trockene Angelegenheit. Es war aber sehr sinnvoll, die einzelnen Schritte durchzuspielen, um selber die Erfahrungen dieser Prozesse zu erleben. Vielleicht hätte man noch mehr Annährerungs-Übungen machen können. Die waren sehr aufschlussreich!

Andreas Meier-Gilgen

Die Weiterbildung mit Klaus Riedel hat mir viele Inspirationen gegeben, nicht nur für das Freifach Theater, sondern auch für den Deutschunterricht.

Tanja Hager

Eindeutig eine Horizonterweiterung, herzlichen Dank! Für mich macht der Fokus auf die sinnliche Selbstwahrnehmung gepaart mit subjektiver Auswahl/Erarbeitung/Imaginierung von inhaltlichen Themenbereichen für unsere SchülerInnen Sinn. Davon möchte ich unbedingt mehr in meine Theaterarbeit einfliessen lassen. Was mir dagegen als Literatur-wissenschaftlerin etwas Mühe machte, ist der fast komplette Verlust des Originaltextes und der inhaltlichen Komplexität von Schillers Ideenwelt (v.a. im Bezug auf die gewählten Schwerpunktthemen).

Der Klaus steht Kopf

Daniel hüpft bis zur Erschöpfung

und Barbara kaut ganz echt eine Handvoll Bonbons

wir handeln den Schiller so furchtbar authentisch

dass ich manchmal nicht mehr weiss wovon

Sabine Abt

Der Workshop mit Klaus Riedel wird für mich eine nachhaltige Herausforderung - für mich als Schauspielerin mit Irritation und Neubesinnung - für meine Begegnung mit den Schülern und Jugendlichen, denke ich, eine Herausforderung eher als reichhaltiges Instrumentarium für neue Wege und Erfahrungen. Sehr angenehm empfand ich die freilassende und entspannte Art, wie Klaus Riedel den Kurs führte. Und die Arbeitsatmosphäre in der Gruppe war einfach inspirierend und schön.

Mechthild Greven Schalit

Abgabe meiner Funktion als Weiterbildungsverantwortlicher TAG

Nach 15 Jahren Betreuung der Weiterbildungen für den Verein TAG/ Theater am Gymnasium war für mich unser Workshop mit dem treffenden Titel „Handeln statt Behaupten“ unter der Leitung von Klaus Riedel, den wir zu Beginn dieses Monats durchführen konnten, ein Highlight der Reihe und somit eine besonders passende Gelegenheit, meine Funktion als Weiterbildungsverantwortlicher abzugeben.

Es war mir eine Freude, für meine Kolleginnen und Kollegen aus dem Schultheaterbereich ansprechende Workshops zu organisieren, die Arbeitsthemen behandelten, welche mir für eine Erweiterung und Qualitätsverbesserungen unserer Theaterarbeit mit Schülerinnen und Schülern am Gymnasium (und vergleichbaren Institutionen) wichtig erscheinen.

Wie bekannt war und ist es mir stets ein Anliegen, den Jugendlichen und somit auch den KollegInnen zu vermitteln, dass Theater – abgesehen davon, dass es ungeheuer Spass machen kann und soll – ein Handwerk ist, das im richtigen Einsatz erst recht die Lust am Theaterspiel fördert und notwendig ist, um eine schlüssige dramaturgische Idee auch theatralisch überzeugend zu transportieren. Diese Verantwortung tragen wir alle bei der theaterpädagogischen Tätigkeit; erfahrungsgemäss fühlen sich die jungen SpielerInnen ernst genommen und schätzen es, wenn man sie in einer ihrem Alter und ihrem Potential angemessenen Weise mit dem weiten handwerklichen Spektrum des Theaterspielens konfrontiert und ihnen so den Respekt vor dieser uralten Kunst der Menschendarstellung auf didaktisch ansprechende und kompetente Weise vermittelt.

Die handwerkliche Basis für jede spannende Theateraktion ist der Körper und der Umgang mit ihm – im Sinne meines Lieblingszitats von Heiner Müller „Theater ist ein Dialog zwischen Körpern und nicht zwischen Köpfen“. Was nicht heisst, dass der Geist unbeteiligt bleibt und die intellektuelle Reflexion im richtigen Moment unabdingbar ist. In diesen Zusammenhängen war in diesen 15 Weiterbildungsjahren auch das aus dem Körperimpuls generierte Sprechen ein gerade fürs Schweizer Schultheater wichtiger, immer wieder behandelter Aspekt.

Solche mir persönlich am Herzen liegenden Themen liessen mich den roten Faden durch die 15 Workshops spannen, die ich – nicht immer, aber meistens – mit dem Erfolg einer eingelösten didaktischen Hoffnung durchführen konnte.

Allen, die sich im Laufe dieser Jahre zur aktiven Teilnahme und ein exklusiv für die Weiterbildung reserviertes Zeitfenster in der stets randvollen persönlichen Agenda entscheiden konnten, möchte ich an dieser Stelle herzlich danken. Ebenso, namentlich, unserer TAG-Präsidentin Franziska für ihre stets wohlwollende Unterstützung und unserer Website-Verantwortlichen Martina (davor Christian) für den flankierenden Support.

Einen Überblick über die in den letzten 15 Jahren fokussierten Arbeitsthemen, der diese oder jenen unter Euch interessieren mag, liegt diesem Bericht bei.

Schliesslich:

Auch nach Abgabe dieses ‚Jobs’ stehe ich Euch – als Schauspieler, Regisseur, Dozent – nach Bedarf und Zeitkapazitäten für eine Unterstützung der wunderbaren Aufgabe, bei Schülerinnen und Schülern das Feuer der Theaterleidenschaft zu entfachen und lebendige, ansprechende Aufführungen mit ihnen zu erarbeiten, gerne weiterhin zur Verfügung.

Mit einem herzlichen Gruss

Christian Seiler

27.1.2019